Oldtimer

 

Dieser Blog ist allen Petrolheads, Liebhabern alter Autos und FüllBeau gewidmet.

 

Ich bin wie die meisten von euch, die das hier gerade lesen: nutzlos für die Gesellschaft in irgendeiner Sinn bringenden Art und Weise. Wenn ihr auch nur im Geringsten wie ich seid, dann seid ihr nicht wirklich geschickt, produktiv, mechanisch bewandert oder ihr dürft nicht mal wählen gehen. Das liegt daran, dass wir niemanden Bestimmten in unserem Leben hatten, der uns diese Dinge beibrachte: einfache Reparaturen, einen Schuppen bauen, wann und wann es nicht okay ist, an einen Polizisten zu urinieren oder, wie in meinem speziellen Fall, wie man an einem Oldtimer schraubt. Und das ist eine Gott verdammte Schande, denn von 1960 bis 1980 bauten die Amerikaner einige der schönsten Objekte dieser Welt. Und doch, trotz mangelndem Wissen sie von ganz nahem zu lieben, ellbogentief in ihren süßen, heißen Flüssigkeiten, habe ich sie immer aus der Distanz bewundert; aus den metaphorischen Büschen während sie duschten. Es ist ein fast aussichtsloser Kampf, aus dem mentalen Blickpunkt von „angsterfülltem Menschen, der eine Art mystisch mechanischen Drachen fährt“ zu „Petrolhead“ zu wechseln, also dachte ich mir, ich berichte mal aus meinem eigenen, sehr wahrscheinlich aussichtslosen Versuch, die technisch-zauberhafte Barriere zu überschreiten und könnte dabei noch einigen Menschen einige Tipps geben, wie es ist, einen Oldtimer zu besitzen und in Schuss zu halten.

Es gibt einige Faktoren, wenn es um die Wahl des Autos geht: Was willst und brauchst du? Wie viel Zeit kannst du dafür aufbringen? Willst du es für Treffen restaurieren oder es als Daily Driver nutzen? Wie viel Geld willst du dafür ausgeben?

Aber das ist alles lahm und dumm. Was wirklich wichtig ist, wenn man das perfekte Auto will: es sollte ein gutes Gesicht haben. Nein, das ist kein Insiderwissen. Ich meine, sieh dir das Gesicht an. Mache ein Foto von der Front, male ein Gesicht darauf und schaue, ob es wie ein Schlappschwanz aussieht. Karosseriesubstanz, laufender Motor, wilde Tiere, die im inneren ein Nest bauen – all diese Dinge sind scheißegal, wenn es darum geht, dass dein Auto kein konstantes Schlappschwanzgesicht hat.

Hier sind einige Exemplare:

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Das ist ein Chevrolet Impala von 1970.

Dieses Auto hier macht genau 3 Dinge: Ficken, Kämpfen und noch mal Ficken. Und das tut es alles zur gleichen Zeit.

Im Gegensatz dazu ist hier ein,… mein… 1980 Oldsmobile Cutlass.

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Seht euch das Ding an: es ist unglücklich, dass man das Fernsehprogramm geändert hat und erinnert sich deutlich daran, als ein harter Tag voller Arbeit noch etwas bedeutete. Dieses Auto fahren nur so alte Menschen, dass es als offizieller „Bitte nicht wiederbeleben“-Bescheid gilt. Und denkt nicht einmal daran, unamerikanisch zu kaufen. Jeder weiß, dass diese Autos zwielichtig und ohne jegliche Moral sind. Schau mich nicht so an. Das ist ein Fakt:

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Oh, und abschließend: Wenn du ein amerikanisches Gefährt kaufst, dann, um Gottes willen, bleibe bei Pickups und Autos. Du verarschst niemanden. Jeder weiß, wofür der Transporter wirklich steht:

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Dazu kommt: Das Arbeiten an Autos erfordert oft sehr teure Werkzeuge. Nimm das Benutzerhandbuch. Es wird dir sagen, dass sogar normale Instandhaltung hunderte Euro an Gerätschaften kosten wird. Uuund so, verfickt nochmal, bekommen sie dich! Wer, denkst du, besitzt all diese großen Werkzeugschmieden? Das ist richtig! Ich weiß es nicht. Aber was ist, wenn es die Automobilhersteller sind? Sie hätten freie Fahrt, deine süßen, unschuldigen Euroscheinchen aus deinem jungfräulichen Portemonnaie zu ziehen und sie mit ihren fettigen Hooliganfäusten zu betatschen. Sei nicht dumm: Einen Oldtimer zu besitzen und zu pflegen bedeutet, deinem verstorbenem Großvater zu beweisen, dass du wirklich ein Mann bist, verdammt! Wenn du mehr benötigst als etwas Holz (zum darauf sitzen und vielleicht etwas essen) und deine bloßen Hände (zum Greifen, Reißen und Schlagen von unkooperativen Teilen) zum Reparieren deines Autos, kannst du dir direkt ein Kleid anziehen, dich selbst BusenBärbel nennen und jede Samstagnacht Handjobs gegen Cocktails in einer dunklen Ecke der Bar austauschen (wähle dazu eine Straße, wo die Bullen weniger patrouillieren und die Besitzer willentlich wegsehen).

Zeige mir nur einen Mann, der Werkzeuge für die Reparaturen an seinem Auto nutzt, und ich zeige dir einen Mann mit einem funktionierenden Auto, einem Großteil seiner Finger, beiden Augen und ohne Klasse.

Nun, da du das perfekte Auto und alle Werkzeuge besitzt, ist es Zeit, sich zu betrinken. Das ist überhaupt 80 Prozent der Gründe, warum die Leute überhaupt Autos besitzen. Das ist wie Angeln: Niemand geht wirklich Angeln. Du betrinkst dich nur an einem See, denn Enten sind total witzig wenn du besoffen bist.

Es wird also Zeit, die Motorhaube zu öffnen, etwas Öl auf deinen Körper zu schmieren und sich komplett in deiner Auffahrt wegzuballern. Wenn dich jemand fragt, was du da machst, gucke total genervt, schreie etwas, das wie ein Autoteil klingt und gib die Schuld einer Minderheit. Hier ein paar Beispiele zum Aufwärmen: „Lichtmaschine! Verdammte Japaner!“ “Lenksäule! Hurenpolen!” “Fluxkompensator! Scheiß Samoaner!”

Dir steht es frei, zu improvisieren und mit etwas Glück lässt man dich in Ruhe. Wenn du dich allerdings mit genug angetrunkenem Selbstvertrauen wiederfindest, doch etwas an dem Wagen zu machen, nimm etwas Einfaches und vorzugsweise total Unwichtiges für die allgemeine Fahrzeugbewegung. Ich wähle die Bremsen. An älteren, amerikanischen Autos waren Bremsen mehr eine freundliche Geste als eine lebenswichtige Funktion. Es war einfach höflich, sie zu probieren und zu verwenden, wenn man ohne Kontrolle auf einen Postboten zuschleuderte – wie, wenn man den „Tür öffnen“-Knopf in einem Fahrstuhl drückt, wenn man jemanden in der Lobby auf sich zu rennen sieht: es wird sehr wahrscheinlich nicht funktionieren, aber es ist wichtig, so auszusehen, als würde man es versuchen. Wenn man tatsächlich mal anhalten wollte, zielte man einfach auf das nächstbeste Gebäude. Amerikaner kauften Autos wie neue Jeans: ein paar Größen zu groß, weil sie durch regelmäßigen Gebrauch sowieso schrumpfen würden, weshalb dein neues altes Auto wahrscheinlich die weniger effektiven Trommelbremsen installiert hat. Trommelbremsen unterscheiden sich deutlich von unseren modernen Scheibenbremsen, indem sie aussehen wie eine Halskette von Flavor Flav.

Nachdem du dich betrunken über diesen Fakt lustig gemacht und deine beste Flavor Flav Imitation losgelassen hast, kontaktiere dein Servicehandbuch. Meines, zum Beispiel, sagt mir, ich solle die Bremsen „ausbluten“ lassen, und das ist total einfach. Du gehst in deine Küche und nimmst dir das schärfste Messer. Jeder weiß, dass Uhren keine Schmerzen fühlen, also ziele direkt auf die Augen. Sei nicht zaghaft, stich richtig derb rein, lass etwas von diesem angestauten Hass raus, schrei‘ vielleicht den Namen deiner Mutter und vergiss niemals: das Messer drehen, um die Wunde weiter zu öffnen.

Wenn du nicht die Zeit oder mentale Ausgeglichenheit für Autotreffen hast, ist das in Ordnung! Du hast schon ein großartiges Unterstützerteam in deiner Nachbarschaft. Freundliche Nachbarn, die die gleiche Leidenschaft wie du teilen, und dir, für den Preis eines kalten Bieres an einem heißen Sommertag, gern ihre Hilfe anbieten. Aber scheiß‘ drauf, das ist dein Bier. Wo sind wir hier, im Kommunistenchina? Du bist ein einsamer Wolf. Du bist wie John StirbLangsam und dieses Auto ist dein Terrorismus: Du nimmst es dir allein vor. Verteidige brutal deine Beute – diese Menschen sind deine Feinde und da gibt es eine riesige Ansammlung an schweren Metallteilen, die du auf sie werfen kannst, wenn sie dir zu nahe kommen. Wie dieser Radfahrer dort drüben. Er denkt, er wäre besser als du. Sieh ihn dir an: Glücklich, gesund, mit einem funktionierenden Fahrzeug, welches er durch seine eigenen, trainierten Muskeln bewegt. Er hat sogar diese ekligen auf den Oberschenkeln, die aussehen, als hätte jemand einen Arsch an sein Knie geschmolzen.

Ich bin mir ziemlich sicher, er hat dich gerade angeguckt. Wirf einen verdammten Bremssattel nach ihm.

Oh scheiße! Hast du ihn getroffen?

 

Scheiße. Oh scheiße. Scheiße. Okay, beruhige dich. Panik hilft niemandem… besonders nicht dem toten Radfahrer auf der Straße. Hat es jemand gesehen? Nein, nein. Alles frei. Glücklicherweise – und rein hypothetisch – nennst du einen amerikanischen Wagen dein eigen, wie, zum Beispiel, ein 1980er Oldsmobile Cutlass. Und das ist fantastisch denn – in diesem nochmal rein theoretischen Szenario – kann dein Kofferraum ein gutes Dutzend Leichen transportieren. Ernsthaft, die sind so entworfen, dass dein Auto deine ganze tote Familie mit Stil herum kutschieren könnte. (Meistens gibt es sogar eine kleine Mulde für den guten, alten Rex.)

Sollte jemand das Blut sehen, kannst du ihm sagen, es wäre Rost. Und wenn sie den Gestank von verwesendem Fleisch bemerken, kannst du sagen, es wäre… Altwagengeruch, richtig? Das ist eine echte Sache: das Gegenteil von Neuwagengeruch. Das wird schon wieder, verhalte dich nur normal. Winke dem Fußgänger zu. Du bist nur ein freundlicher Mitbürger, der an seinem Auto schraubt. Sehr human. Lächle liebenswürdig, niemand weiß etw- was macht der Typ auf dem Fahrrad dort? Ist er…? Scheiße, war er mit dem anderen unterwegs? Sie tragen beide gleichfarbige Radlerhosen. Warte, nicht überreagieren, er könnte umdrehen. Dreht er um…? Er dreht nicht um.

 

 

Ich will dich nicht anlügen: das ging gehörig den Bach runter. Wenn du dieser Anleitung soweit gefolgt bist, dann hast du ein immens kompliziertes Stück an Maschinerie gekauft, für welches du in keinem Fall qualifiziert bist, es zu reparieren. Und du hast wahrscheinlich 2 Radfahrenthusiasten getötet. Aber das ist okay, denn was denkst du, macht der Rest? Da gibt es wahrscheinlich 5 Oldtimer in deiner Nachbarschaft. Denkst du wirklich, diese Typen wären intelligent und fleißig genug, diese wirbelnden, stählernen Todesstreitwagen aufzubauen und zu unterhalten? Nein, die sitzen im selben Boot wie du. Du bist jetzt Teil ihrer Bruderschaft, verbunden durch ein unaussprechliches Geheimnis der Metallsärge in euren Vorgärten, die ihr alle teilt. Aber trotz allem, Gratulation zum Kauf eines Oldtimers! Genieße es, ein Stück amerikanischer Geschichte zu besitzen und denke immer daran… wenn du es jemandem erzählst, dann schwöre ich bei Gott, werde ich dich an Stellen aufschlitzen, die nie wieder verheilen. Frag nur Flavor Flavs Uhr.

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