Archive for the ‘ weh-tee-eff-ish ’ Category

Oldtimer

 

Dieser Blog ist allen Petrolheads, Liebhabern alter Autos und FüllBeau gewidmet.

 

Ich bin wie die meisten von euch, die das hier gerade lesen: nutzlos für die Gesellschaft in irgendeiner Sinn bringenden Art und Weise. Wenn ihr auch nur im Geringsten wie ich seid, dann seid ihr nicht wirklich geschickt, produktiv, mechanisch bewandert oder ihr dürft nicht mal wählen gehen. Das liegt daran, dass wir niemanden Bestimmten in unserem Leben hatten, der uns diese Dinge beibrachte: einfache Reparaturen, einen Schuppen bauen, wann und wann es nicht okay ist, an einen Polizisten zu urinieren oder, wie in meinem speziellen Fall, wie man an einem Oldtimer schraubt. Und das ist eine Gott verdammte Schande, denn von 1960 bis 1980 bauten die Amerikaner einige der schönsten Objekte dieser Welt. Und doch, trotz mangelndem Wissen sie von ganz nahem zu lieben, ellbogentief in ihren süßen, heißen Flüssigkeiten, habe ich sie immer aus der Distanz bewundert; aus den metaphorischen Büschen während sie duschten. Es ist ein fast aussichtsloser Kampf, aus dem mentalen Blickpunkt von „angsterfülltem Menschen, der eine Art mystisch mechanischen Drachen fährt“ zu „Petrolhead“ zu wechseln, also dachte ich mir, ich berichte mal aus meinem eigenen, sehr wahrscheinlich aussichtslosen Versuch, die technisch-zauberhafte Barriere zu überschreiten und könnte dabei noch einigen Menschen einige Tipps geben, wie es ist, einen Oldtimer zu besitzen und in Schuss zu halten.

Es gibt einige Faktoren, wenn es um die Wahl des Autos geht: Was willst und brauchst du? Wie viel Zeit kannst du dafür aufbringen? Willst du es für Treffen restaurieren oder es als Daily Driver nutzen? Wie viel Geld willst du dafür ausgeben?

Aber das ist alles lahm und dumm. Was wirklich wichtig ist, wenn man das perfekte Auto will: es sollte ein gutes Gesicht haben. Nein, das ist kein Insiderwissen. Ich meine, sieh dir das Gesicht an. Mache ein Foto von der Front, male ein Gesicht darauf und schaue, ob es wie ein Schlappschwanz aussieht. Karosseriesubstanz, laufender Motor, wilde Tiere, die im inneren ein Nest bauen – all diese Dinge sind scheißegal, wenn es darum geht, dass dein Auto kein konstantes Schlappschwanzgesicht hat.

Hier sind einige Exemplare:

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Das ist ein Chevrolet Impala von 1970.

Dieses Auto hier macht genau 3 Dinge: Ficken, Kämpfen und noch mal Ficken. Und das tut es alles zur gleichen Zeit.

Im Gegensatz dazu ist hier ein,… mein… 1980 Oldsmobile Cutlass.

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Seht euch das Ding an: es ist unglücklich, dass man das Fernsehprogramm geändert hat und erinnert sich deutlich daran, als ein harter Tag voller Arbeit noch etwas bedeutete. Dieses Auto fahren nur so alte Menschen, dass es als offizieller „Bitte nicht wiederbeleben“-Bescheid gilt. Und denkt nicht einmal daran, unamerikanisch zu kaufen. Jeder weiß, dass diese Autos zwielichtig und ohne jegliche Moral sind. Schau mich nicht so an. Das ist ein Fakt:

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Oh, und abschließend: Wenn du ein amerikanisches Gefährt kaufst, dann, um Gottes willen, bleibe bei Pickups und Autos. Du verarschst niemanden. Jeder weiß, wofür der Transporter wirklich steht:

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Dazu kommt: Das Arbeiten an Autos erfordert oft sehr teure Werkzeuge. Nimm das Benutzerhandbuch. Es wird dir sagen, dass sogar normale Instandhaltung hunderte Euro an Gerätschaften kosten wird. Uuund so, verfickt nochmal, bekommen sie dich! Wer, denkst du, besitzt all diese großen Werkzeugschmieden? Das ist richtig! Ich weiß es nicht. Aber was ist, wenn es die Automobilhersteller sind? Sie hätten freie Fahrt, deine süßen, unschuldigen Euroscheinchen aus deinem jungfräulichen Portemonnaie zu ziehen und sie mit ihren fettigen Hooliganfäusten zu betatschen. Sei nicht dumm: Einen Oldtimer zu besitzen und zu pflegen bedeutet, deinem verstorbenem Großvater zu beweisen, dass du wirklich ein Mann bist, verdammt! Wenn du mehr benötigst als etwas Holz (zum darauf sitzen und vielleicht etwas essen) und deine bloßen Hände (zum Greifen, Reißen und Schlagen von unkooperativen Teilen) zum Reparieren deines Autos, kannst du dir direkt ein Kleid anziehen, dich selbst BusenBärbel nennen und jede Samstagnacht Handjobs gegen Cocktails in einer dunklen Ecke der Bar austauschen (wähle dazu eine Straße, wo die Bullen weniger patrouillieren und die Besitzer willentlich wegsehen).

Zeige mir nur einen Mann, der Werkzeuge für die Reparaturen an seinem Auto nutzt, und ich zeige dir einen Mann mit einem funktionierenden Auto, einem Großteil seiner Finger, beiden Augen und ohne Klasse.

Nun, da du das perfekte Auto und alle Werkzeuge besitzt, ist es Zeit, sich zu betrinken. Das ist überhaupt 80 Prozent der Gründe, warum die Leute überhaupt Autos besitzen. Das ist wie Angeln: Niemand geht wirklich Angeln. Du betrinkst dich nur an einem See, denn Enten sind total witzig wenn du besoffen bist.

Es wird also Zeit, die Motorhaube zu öffnen, etwas Öl auf deinen Körper zu schmieren und sich komplett in deiner Auffahrt wegzuballern. Wenn dich jemand fragt, was du da machst, gucke total genervt, schreie etwas, das wie ein Autoteil klingt und gib die Schuld einer Minderheit. Hier ein paar Beispiele zum Aufwärmen: „Lichtmaschine! Verdammte Japaner!“ “Lenksäule! Hurenpolen!” “Fluxkompensator! Scheiß Samoaner!”

Dir steht es frei, zu improvisieren und mit etwas Glück lässt man dich in Ruhe. Wenn du dich allerdings mit genug angetrunkenem Selbstvertrauen wiederfindest, doch etwas an dem Wagen zu machen, nimm etwas Einfaches und vorzugsweise total Unwichtiges für die allgemeine Fahrzeugbewegung. Ich wähle die Bremsen. An älteren, amerikanischen Autos waren Bremsen mehr eine freundliche Geste als eine lebenswichtige Funktion. Es war einfach höflich, sie zu probieren und zu verwenden, wenn man ohne Kontrolle auf einen Postboten zuschleuderte – wie, wenn man den „Tür öffnen“-Knopf in einem Fahrstuhl drückt, wenn man jemanden in der Lobby auf sich zu rennen sieht: es wird sehr wahrscheinlich nicht funktionieren, aber es ist wichtig, so auszusehen, als würde man es versuchen. Wenn man tatsächlich mal anhalten wollte, zielte man einfach auf das nächstbeste Gebäude. Amerikaner kauften Autos wie neue Jeans: ein paar Größen zu groß, weil sie durch regelmäßigen Gebrauch sowieso schrumpfen würden, weshalb dein neues altes Auto wahrscheinlich die weniger effektiven Trommelbremsen installiert hat. Trommelbremsen unterscheiden sich deutlich von unseren modernen Scheibenbremsen, indem sie aussehen wie eine Halskette von Flavor Flav.

Nachdem du dich betrunken über diesen Fakt lustig gemacht und deine beste Flavor Flav Imitation losgelassen hast, kontaktiere dein Servicehandbuch. Meines, zum Beispiel, sagt mir, ich solle die Bremsen „ausbluten“ lassen, und das ist total einfach. Du gehst in deine Küche und nimmst dir das schärfste Messer. Jeder weiß, dass Uhren keine Schmerzen fühlen, also ziele direkt auf die Augen. Sei nicht zaghaft, stich richtig derb rein, lass etwas von diesem angestauten Hass raus, schrei‘ vielleicht den Namen deiner Mutter und vergiss niemals: das Messer drehen, um die Wunde weiter zu öffnen.

Wenn du nicht die Zeit oder mentale Ausgeglichenheit für Autotreffen hast, ist das in Ordnung! Du hast schon ein großartiges Unterstützerteam in deiner Nachbarschaft. Freundliche Nachbarn, die die gleiche Leidenschaft wie du teilen, und dir, für den Preis eines kalten Bieres an einem heißen Sommertag, gern ihre Hilfe anbieten. Aber scheiß‘ drauf, das ist dein Bier. Wo sind wir hier, im Kommunistenchina? Du bist ein einsamer Wolf. Du bist wie John StirbLangsam und dieses Auto ist dein Terrorismus: Du nimmst es dir allein vor. Verteidige brutal deine Beute – diese Menschen sind deine Feinde und da gibt es eine riesige Ansammlung an schweren Metallteilen, die du auf sie werfen kannst, wenn sie dir zu nahe kommen. Wie dieser Radfahrer dort drüben. Er denkt, er wäre besser als du. Sieh ihn dir an: Glücklich, gesund, mit einem funktionierenden Fahrzeug, welches er durch seine eigenen, trainierten Muskeln bewegt. Er hat sogar diese ekligen auf den Oberschenkeln, die aussehen, als hätte jemand einen Arsch an sein Knie geschmolzen.

Ich bin mir ziemlich sicher, er hat dich gerade angeguckt. Wirf einen verdammten Bremssattel nach ihm.

Oh scheiße! Hast du ihn getroffen?

 

Scheiße. Oh scheiße. Scheiße. Okay, beruhige dich. Panik hilft niemandem… besonders nicht dem toten Radfahrer auf der Straße. Hat es jemand gesehen? Nein, nein. Alles frei. Glücklicherweise – und rein hypothetisch – nennst du einen amerikanischen Wagen dein eigen, wie, zum Beispiel, ein 1980er Oldsmobile Cutlass. Und das ist fantastisch denn – in diesem nochmal rein theoretischen Szenario – kann dein Kofferraum ein gutes Dutzend Leichen transportieren. Ernsthaft, die sind so entworfen, dass dein Auto deine ganze tote Familie mit Stil herum kutschieren könnte. (Meistens gibt es sogar eine kleine Mulde für den guten, alten Rex.)

Sollte jemand das Blut sehen, kannst du ihm sagen, es wäre Rost. Und wenn sie den Gestank von verwesendem Fleisch bemerken, kannst du sagen, es wäre… Altwagengeruch, richtig? Das ist eine echte Sache: das Gegenteil von Neuwagengeruch. Das wird schon wieder, verhalte dich nur normal. Winke dem Fußgänger zu. Du bist nur ein freundlicher Mitbürger, der an seinem Auto schraubt. Sehr human. Lächle liebenswürdig, niemand weiß etw- was macht der Typ auf dem Fahrrad dort? Ist er…? Scheiße, war er mit dem anderen unterwegs? Sie tragen beide gleichfarbige Radlerhosen. Warte, nicht überreagieren, er könnte umdrehen. Dreht er um…? Er dreht nicht um.

 

 

Ich will dich nicht anlügen: das ging gehörig den Bach runter. Wenn du dieser Anleitung soweit gefolgt bist, dann hast du ein immens kompliziertes Stück an Maschinerie gekauft, für welches du in keinem Fall qualifiziert bist, es zu reparieren. Und du hast wahrscheinlich 2 Radfahrenthusiasten getötet. Aber das ist okay, denn was denkst du, macht der Rest? Da gibt es wahrscheinlich 5 Oldtimer in deiner Nachbarschaft. Denkst du wirklich, diese Typen wären intelligent und fleißig genug, diese wirbelnden, stählernen Todesstreitwagen aufzubauen und zu unterhalten? Nein, die sitzen im selben Boot wie du. Du bist jetzt Teil ihrer Bruderschaft, verbunden durch ein unaussprechliches Geheimnis der Metallsärge in euren Vorgärten, die ihr alle teilt. Aber trotz allem, Gratulation zum Kauf eines Oldtimers! Genieße es, ein Stück amerikanischer Geschichte zu besitzen und denke immer daran… wenn du es jemandem erzählst, dann schwöre ich bei Gott, werde ich dich an Stellen aufschlitzen, die nie wieder verheilen. Frag nur Flavor Flavs Uhr.

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Meine Eherede

Dies ist mein Ehegelöbnis, welches, im Gegensatz zu meinem Ehemann, superlahm ist.

 

Meine Eherede

 

Gesellschaft und Medien haben mich 24 Jahre lang glauben lassen, dass der schönste Tag im Leben einer Frau die Hochzeit ist. Weißes Prinzessinnenkleid, Ringe, Tauben, Reis, Familie und Freunde, ein großes Festmahl und den richtigen Mann an der Seite, den man liebt.

Doch jeder, der mich kennt, weiß, dass der schönste Tag in meinem Leben der 08. November 2008 war, als ich mir von meinem ersten gesparten Gehalt meine Xbox360 gekauft habe.

HDMI Anschlüße, 120GB Festplatte und das Ganze in klassischem schwarz: oh ja, ich liebe dieses Baby.

Und wer hätte je gedacht, dass irgendwann ein Mensch in mein Leben treten würde, der besser zu meinem Wohnzimmermobiliar passt, als das Microsoftschmuckstück?

 

Jens, du bist die Liebe meines Lebens, du bist mein Big Daddy auf der Suche nach Adam. DU bist mein Sonic The Hedgehog, immer rasend schnell und auf der Überholspur. Ich will, dass du mit mir in die Normandy steigst und das Weltall erkundest. Zusammen bilden wir die beste Drgon Age Party der Welt und räumen gemeinsam das Arkham Asylum auf. Mit dir ist das ganze Leben mehr als nur eine Final Fantasy, denn du bist mein Schutz im Heavy Rain, mein persönlicher God Of War. Zahlreiche Male habe ich mein Leben, meine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemeinsam mit dir in The Sims geprüft, geplant und durch gezogen. Du bist mein Guitar Hero, unsere Kinder werden nicht im Ansatz so gruselig wie Alma aus F.e.a.r. und gemeinsam durchstehen wir die größte Fallout-Ödnis.

Kurzum, ich bin bereit, mich auf der Lebensautobahn in deinen Wagen zu setzen, denn ich brauche deinen Need For Speed.

 

Ich habe einige Fehler in meinem Leben gemacht, doch bereue ich keinen davon, denn letztendlich hat mich jeder einzelne zu dir geführt.

Auto, Haus und Kinder, all das sehe ich in deinem Lächeln, und ich freue mich darauf.

 

Und um noch einmal auf den Anfang zurück zu kommen, dann ja, ist das heute nicht der schönste Tag in meinem Leben. Denn es ist der schönste Tag in unserem gemeinsamen Leben.

 

Und sollte mich jemals ein Mensch vor die Wahl stellen, ob Xbox360 oder dich, Jens, dann ist klar wie meine Antwort lauten würde: immer nur dich, mein Ehemann. Denn immerhin habe ich noch eine Playstation 3.

 

Ich liebe dich.

Harmagedon

Lieber Gott,

du hast mich gefickt. Nicht im buchstäblichen Sinne – obwohl deine Omnipräsenz einige interessante Fragen über die Level unserer geteilten Intimität aufwirft. Aber das ist nicht der Kern des Punkts. Du hast der Erde eine Endprophezeiung gegeben – ein Fenster für einen sicheren Tod am 21. Mai – und dann, ganz plötzlich, änderst du deine Meinung und sagst alles ab. Während du dich jetzt die nächsten Wochen in Lobhudelei und dankenden Gebeten von Millionen von Menschen badest, wollte ich dich nur daran erinnern, dass ich jetzt wie eine komplette Vollidiotin dastehe. Damit musst du nun leben. Ich habe sehr viel Vertrauen in deine Versprechen des Weltunterganges gelegt und habe sicherlich nicht erwartet, irgendjemanden je wiederzusehen. Und doch hier bin ich… immernoch, ohne irgendeinen Weg zum Folgen und auf der anderen Seite der Seltsamkeit von Freunden, Nachbarn und Mitarbeitern, die auf die zerschlagenen Beziehungsbande blicken. Ich denke, ich habe ein Recht zu wissen, was passiert ist.

Mir wurde auf Werbeschildern versichert, dass das ein versprochenes Ereignis ist. Werbeschilder, Gott.
Wenn mir eine Reklame sagt, dass ich in 12km ein Hotel vorfinden werde, dann gehen die Werbung und ich ein stillschweigendes Übereinkommen ein. Ich verlasse mich auf die Wahrheit der Information um meine Entscheidungen zu informieren. Wenn die Versprechung dann nicht zustande kommt, könnten die Auswirkungen katastrophal sein; ich könnte am Lenkrad einschlafen oder mich verfahren oder auf einem Zeltplatz übernachten. Das steht alles auf dem Spiel. Aber du hast dieses Vertrauen verarscht und, ganz ehrlich, jetzt weiß ich nicht mehr, was ich glauben soll.

Du hast nicht nur mich enttäuscht, sondern nimm dir eine Minute Zeit um all die Menschen zu bedenken, die du ebenfalls allein gelassen hast, indirekt durch mich. Ich habe eine Menge versprochen, das ich unmöglich halten kann. Wusstest du, dass ich mich im Theater eingeschrieben habe? Ja. Nicht mal ein Gutes. Du kannst dir nicht wirklich die Stunden und Leidenschaft vorstellen, die so ein Stück benötigt, und alles ohne jegliches Talent oder finanzielle Entschädigung. Aber dank deiner Wischiwaschikatastrophe darf ich hier jetzt weitere drei Monate abhängen.

Ich hatte auch aufgehört zu recyclen. Komplett. Ich trennte kein Plastik mehr oder kaufte keine energiesparenden Produkte, weil ich annahm, es wäre jetzt sowieso sinnlos. Aber war es wohl doch nicht, wa? Jetzt erscheine ich als Arschloch. Hast du irgendeine Ahnung, wie peinlich es ist, eine Frau einzuladen, mit welcher du sexuell interagieren möchtest, um sie dann feststellen zu lassen, dass deine Lampen nicht fluoreszierend sind? Ich spare dir den Ärger des Ratens und verrate dir die Antwort: sehr. Es ist sehr peinlich. Jetzt habe ich den Stress, jemanden einzustellen, der sich durch meinen Müll wühlt und nachträglich alles sortiert. Plus, ich habe keine Idee, wie viel Plastikmüll über die letzten zwei Wochen jetzt schon in die Ozeane geleitet wurde. Deine Lügen lassen mich selbst schlecht fühlen, und das ist nichts, was Freunde sich gegenseitig zumuten sollten. Paare vielleicht, aber nicht Freunde.

Oh, und ich habe jetzt Babykatzen. Nein, kein Kätzchen – einen ganzen Wurf. Ich habe nie vorgehabt, eine Katze zu besitzen und besitze jetzt acht. Ich habe sie aus einem Tierheim, weil ich mein Internet abbestellte und kein Medium mehr besaß, wo ich süße Babykinder bei absolut knuddeligen Taten beobachten konnte. Nun, es stellt sich heraus, dass Kätzchen nur 2 Prozent der Zeit süß sind und die restlichen 98 Prozent zerstören sie deine kulturellen Schätze und stopfen Kacke in deine Sofaritzen. Sie sind scheißende, Allergie hervorrufende Bällchen voll krallendem Hass.

Wer gestaltet ein Tier auf diese Art? Das erscheint mir außerordentlich grausam, selbst bei deinen Alten Testament-Standards. Jetzt gerade lasse ich sie im Garten Dinge ankrallen und sich gegenseitig anpinkeln, in der Hoffnung, dass sich die Adler auf sie stürzen. Deine Schuld. Mit deiner unendlichen Weisheit hast du das vermutlich bereits bemerkt, oder bist du zu beschäftigt damit, kranken Kindern im Hospital deine Versprechen zu brechen?

Zufällig muss ich jetzt auch zu einigen Krankenhäusern und den Krebspatienten sagen, dass ich nicht für jeden einzelnen ein Tor in meinem nächsten Frauenfußballweltmeisterschaftsspiel schießen kann. Du weißt selbst, dass ich keine gute Stürmerin bin. Wenn ich es ihnen jetzt sage, muss ich mit ihren traurigen Gesichtern fertig werden, nicht du; ich muss diese karzinogenen Tränen wegwischen. Es sei denn, du lässt dich zu einem kleinen Wunder herab und bringst jeden davon vorher um. Ich denke, das schuldest du mir.

Und genau das ist der schlimmste Teil: Du hast nicht einmal eine Entschädigung geboten. Wenn eine Band ein Konzert absagt, dann machen sie es anders wieder gut. Sie erstatten die Ticketkosten oder geben ein neues Konzert. Jetzt stell dir meinen Schock über deinen Widerwillen vor, das Ergeinis zu verlegen, besonders bei der Größe deiner Anhängerschaft. Um genau zu sein haben wir die letzten Tage nur Stillschweigen von dir gehört. Ich kann nur vermuten, dass deine du nur kurz den jüngsten Tag absagen wolltest und, wie bereits erwähnt, bin ich unzufrieden mit deiner Strategie. Du wusstest ganz genau, dass die Meisten auf diesem Planeten nicht damit rechneten und das du dir durch dieses Versprechen ein paar Verehrungspunkte mehr holen konntest, indem du etwas Schreckliches versprichst, es absagst, quasi alles lässt wie es war und am Ende immernoch als Held dastehst. Weißt du was? Dieser Trick funktioniert nur ein einziges Mal, und die Xbox 360 hat dich damit vor knapp 6 Jahren geschlagen.

Du hast es gerade mal geschafft, die Menschen zu verstoßen, die dein Wort ernst nahmen; du hast deiner eigenen Glaubwürdigkeit geschadet. Ich denke, du kannst dir vorstellen, dass wir das nächste Mal etwas zögerlicher sind, wenn du uns wieder mit dem Harmagedon drohst. Und weil ich dir jetzt nicht mehr glaube, werde ich dann wohl nicht mehr so viele sterbende Kinder anlügen oder im Impuls Tiere kaufen oder diese ganzen anderen, mehr als geilen Dinge der letzten Tage machen, nur weil deine Lügen geradezu jeglichen Spaß aus dem Ende der Welt heraussogen. Ich hoffe, du bist glücklich mit dir selbst, ich muss einiges ausbaden.

Mit freundlichen Grüßen,

Nick

Blutspende

Aaaaalter, ick habe zu wenig Zeit in meinem Leben für Blogs/Blögge/Denglisch.

Auf jeden Fall zwingt mich das Leben in dem einen oder anderen Punkt zu der Erkenntnis, dass ich schwach bin. Es ist ein peinlicher Moment gefüllt mit Angst, Scham und unattraktiven Gesichtsausdrücken. Das Schlimmste ist, Schwächen sind, wie Schneeflocken, alle komplett unterschiedlich und wir sind gezwungen, unsere Gewitter allein zu überstehen. Einige Menschen finden z.B. ihre Grenzen unter Mäntel gewickelt im Gefechtssturm des Gegners und wiederum andere, ich sage mal, bei der Blutspende letzten Mittwoch, wo all das Blut nur so herumsprudelte, niemand etwas unternahm und alle handelten, als wäre das kein totaler Albtraum.

Ich mag Nadeln nicht. Ich überkomme meine Angst gegenüber Injektionen mit dem Gedanken, dass jede davon mich etwas näher an die Unsterblichkeit bringt, aber Blutabnahme erscheint da etwas kontraproduktiv. Ich mag es nicht in irgendeiner Weise penetriert zu werden. Außerdem ist das mein Blut.

Letzte Woche schob ich mein Misstrauen für absichtliches Bluten beiseite, um ein Held zu sein. Ich wärmte mich an der Idee, in den Venen eines anderen Menschen leben zu können, Ruhm übertragend wie eine Art wundervoller Virus; außerdem arbeitete ein ehemaliger Freund und seine Ehefrau dort. Wenn ich die Nachricht bei seiner Freundschaftskündigung richtig verstand, war ein Stellen der Ängste wichtig, wie ihm das seine Inzwischen-Ehefrau damals deutlich machte, als sie ihm sagte, wir dürften uns nicht mehr sehen. So wichtig, um genau zu sein, dass es eine großartige Freundschaft zerstörte, und mit etwas Glück nun auch eine Ehe.

Der Tag verlief nicht wirklich so, wie ich es plante. Ich endete bei der falschen Krankenschwester und kippte mit dem Kopf voran gegen eine Klapptrage, als sie mich stach. Zu meinem Vertrauen war sie unglaublich inkompetent. Ich erzählte ihr gerade heraus, dass ich Nadeln oder den Verlust von Blut nicht mag, und sie antwortete mit einem heftigen Seufzer: „Oh Mann, ich auch nicht“. Das war ein schlimmer Start.

Ich setzte mich und schaute weg, während sie nach einer Ader jagte, verschiedene fand und dann jede einzelne verpasste. Sie stach mich 4 mal, bevor sie etwas traf, dass heiße Flüßigkeit meinen Vorderarm herunter spuckte und sie zum schreien brachte.

„Sehen Sie nicht hin!“, sagte sie mir.

„Okay“, antwortete ich. Glaube ich.

So lief es in meinem Kopf ab.

Ich fühlte was auch immer in meinem Arm war, herumwackeln, als sie den Schlauch anschloss, der mir mein Leben stahl. Sie wischte in der Nähe herum und sagte ständig „Oh Gott“, aber nicht mit der Zuversicht, dass jemand anwesend war, der zuhören konnte.

Endlich kam sie in mein Blickfeld und sagte mir, dass wir es geschafft hätten; das jetzt alles fein wäre. Ich folgte ihrem Lächeln auf ihr babyblaues Shirt und den tiefroten Spritzern der Mordszenerie quer über ihren Brüsten verteilt. Sie schien überrascht. „Oh!“, sagte sie. „Eklig.“

Ich stand auf, bemerkte, wie sich der Strick aus meinem Arm zog, mehr und mehr Blut im Raum herumspritzte und wurde bewusstlos.

Ich erwachte zu dem Geräusch von zerschmetterten Glühbirnen. Als ich meine Augen öffnete, sah ich meinen ehemaligen Kumpel über mir stehen, liebevoll, zärtlich meinen Kopf tackernd. Er schaute mir nicht in die Augen, aber da war eine Sänfte in seinen Händen. Sie fühlten sich geübt; erfahren zog er die Stücke meiner Haarlinie zurück und fesselte sie wieder mit Metall zusammen. Ich konnte ihn das den gesamten Tag machen lassen. Hinter ihm die junge Schwester, immer noch in ihrem blutigen Klamotten; gekrümmt schielte sie, während sie zusah.

„Ich wusste, dass du nach mir schauen würdest.“, flüsterte ich.

„Was machst du hier? Du hasst das.“

„Ich bin mutig genug, mir selbst in die Augen zu sehen, wenn ich Angst habe.“

Er seufzte und blickte mir direkt in die Augen. „Was zur Hölle redest du da?“

„Ich weiß nicht. Ich fühle mich wie unter Drogen.“

„Bist du“, sagte eine andere, weibliche Stimme. Sie lehnte sich vor und ich erkannte das Gesicht.

„Oh, diese Schwester, die du geheiratet hast.“

„Ehefrau“, sagte sie und schmeckte das Wort, bevor sie mich damit anspuckte. „Wir gaben die ein paar Schmerzmittel und haben dich jetzt auf einem Antibiotika-Trip.“ Sie zeigte auf meinem Arm, wo ein massiver Schlauch in meiner Haut verschwand und mich mit Gott-weiß-was fütterte. „Ich weiß, diese Dinge verstören dich etwas, aber wir können nicht vorsichtig genug sein bei einer Wunde dieser Größe.“

Mein Kumpel beendete seine Tat und schüttelte traurig seinen Kopf, als er mit der anderen Schwester aus dem Zimmer ging. Die Schwester, die er heiratete, lehnte an der Wand, zwinkerte mir zu und zeigte ihren doofen, weißen Zähne. „Warum bist du heute hierher gekommen?“

Ich wollte ihr nichts mehr, als ihr sagen, dass ich ihre Ehe zerstören werde. „Ich werde deine Ehe zerstören.“, sagte ich. Die Drogen waren wirklich gut.

Sie kicherte und nickte. „Ja, dachte ich mir.“ Sie tätschelte mein Schienbein und wünschte mir Glück. Ich hob einen Arm um sie zu bekämpfen, aber sie ergriff ihn professionell, um zwei Finger an meinen Puls zu legen. „Es sieht so aus, als ginge es dir langsam besser. Das heißt-“

„Er denkt noch an mich“, sagte ich.

„Nein, macht er nicht. Das heißt, wir behalten dich hier nicht über Nacht, und sobald wir mit dem Papierkram fertig sind, kannst du gehen.“

„Er denkt vermutlich gerade eben an mich.“

Sie stoppte und sah mich für eine Sekunde lang an, nahm sich einen Stuhl und setzte sich hin. „Siehst du diese Transfusion?“

Ich sagte ihr, dass ich sie sah.

„Dein Körper ist voller Bakterien. Tatsache ist, das in deinem Körper die Bakterien die menschlichen Zellen zehn zu eins überragen. An einem Maßstab gesehen bist du mehr Bakterie als Mensch.“

„Willst du mich jetzt beleidigen?“

„Nein. Das passt auf jeden. Darüber sollte man nicht beschämt sein, das macht uns zu dem, wer wir sind; gibt uns das Gefühl, wir zu sein. Aber diese Transfusion hier pumpt Antibiotika in deinen Körper, die fast alle Bakterien in dir töten. Das bedeutet, wenn sie fertig ist, wirst du nur noch ein zehntel deines normalen Selbst sein.“ Sie lehnte sich näher heran und flüsterte: „Zur Hölle, du wirst kaum noch existieren.“ Wir saßen beide da und überlegten, ob wir ihr glauben sollten. Dann fügte sie hinzu: „Die Wahrheit ist, die Gefahr einer Infektion ist sehr gering, aber das hier kommt einer Tötung am nächsten und ich helfe dir trotzdem damit.“ Sie stand auf und ging.

Drei Stunden und 10€ Bearbeitungsgebühr später verließ ich das Krankenhaus gemeinsam mit dem Versprechen, dass ich die Tackernadeln professionell entfernen lassen würde. Als ich in der Dunkelheit nach Hause fuhr, griff ich nach der Kopfwunde und lächelte. Ich war reicher an Erfahrung. Sicher, ich hatte jede Menge Blut verloren, stand ungewollt unter Drogen und mir wurde von einer Krankenschwester gesagt, sie wolle mich tot, aber ich hatte auch Tackernadeln von meinem ehemals besten Kumpel im Kopf. Ich wusste, dass, egal wie lang sie zusammen sein würden, selbst für ihr komplettes Leben, sie niemals diese intime Erfahrung mit ihm machen würde. Das Beste daran war, sie musste da stehen und zusehen.

Außerdem war es gut zu wissen, dass sie wirklich eine manipulierende Scheißkuh war.

Twilight – Das erste Buch

Jemand meinte nach meinen Twilight-Blogs, ich solle doch mal die Bücher lesen; dann hätte ich auch eine andere Sicht auf Twilight. Quasi nicht nur negativ.
Da ich nicht einsehe, Stephenie Meyer für ihre Talentlosigkeit zu bezahlen, kaufte ich mir…. besorgte mir….. ein ebook…. egal, zumindest hatte ich alle 4 Twilightbücher im Original vorliegen. (Mein Englisch ist, schon allein wegen meinem Job, fließend und sehr gut vorhanden; zudem traue ich den Übersetzern zu, wenigstens etwas Stilistik bei Meyer einzuschummeln.)

Die Protagonisten
Die Bücher erzählen die Geschichte des Vampirs Edward Cullen, der immer dann als „Adonis“ beschrieben wird, wenn die Autorin es kann, und Isabella Swan, ein „normales“ Mädchen, die voll „ernsthafte“ Literatur liest wie Sturmhöhe, weil sie soooooo intelligent ist. Außerdem ist sie sooooo viel weiter als die anderen Schüler an ihrer Schule. Aber das ist voll okay. Sie gleicht das mit ihrer Tollpatschigkeit aus, denn jeder gut entwickelte Charakter braucht genau eine (1) Schwäche.
Die Figur Edward Cullen nahm Gestalt an, als Stephenie Meyer einen feuchten Traum von ihm hatte. Sie sah ihn mit einem Mädchen, welches sie später „Bella“ nannte, nach ihrer imaginären Tochter…
…yeah, es wird gruseliger.

Buch 1: Twilight
Trotz dem so-einfach-sein wird Bella von allen Einwohnern ihrer neuen Heimatstadt Forks, Washington, lieb gewonnen, besonders von Edward Cullen. Edward beginnt seine epische Story in einem Biologiezimmer neben Bella Swan sitzend – eine tolle Situation für Einleitungen, Smalltalk und eine Reihe furchtbarer, sexueller Anspielungen, richtig?
Nun, Edward regelt seine Ladygeschichten anders: er sitzt einfach nur da, starrt sie an und rückt vor und zurück wie ein Irrer. Erinnert ihr euch an die Zeit, als ihr neben diesem echt heißen Menschen saßt und versucht habt, ihn anzusprechen, aber stattdessen in einem heftigen Hustenanfall kollabiert seid, Blut und Rotz über ihn genießt habt, vom Stuhl gefallen seid und dann eine halbe Stunde lang geweint habt? Ihr saht aus wie Gott im Gegensatz zu Edward. Als Bella dann herausfindet, dass Edward ein Vampir ist, geht sie mit diesem Wissen bewaffnet los und bringt Edward mitten in einen Wald um ihm zu sagen, dass sie sein Geheimnis kennt; wobei sie niemandem erzählt, wohin oder mit wem sie weggeht. Das Mädchen hat einen Überlebenssinn wie ein Lemming.
Eigentlich wollte er sie auch erst essen, aber realisierte dann, enttäuschenderweise, dass er eigentlich nur wahre Liebe fühlt und nach ein paar Tagen sind sie ein Pärchen.
Nach zwei oder drei Wochen fleht Bella ihn dann an, sie, aus wahrer Liebe, zu einem Vampir zu machen.
Das wird nicht gerade explizit im Buch klar gemacht, aber Edward schleicht jede Nacht in ihr Zimmer und schaut ihr beim Schlafen zu, seit er sie getroffen hat. Mehr dazu später.
Zudem hat Edward gedankenlesende Fähigkeiten, aber sie funktionieren nicht bei Bella. Das ist kein so großer Punkt in der Geschichte, wie die Leute annehmen könnten, und theoretisch kann (und werde) ich es nie wieder erwähnen.
Ein paar Tage, nachdem sie anfangen, sich zu treffen, nimmt Edward Bella mit in den Wald, um ihr zu zeigen warum Vampire nicht ins Sonnenlicht gehen: während die meisten Vampire dramatisch zerplatzen, glitzern die Vampire im Twilightuniversum bei Sonnenscheinkontakt. Das ist der Höhepunkt des Ganzen, was bis jetzt einfach nur ein schlechtes Buch war: Bella keucht und wird ohnmächtig, und Edward zieht sein Shirt aus, nur um ihr seine Glitzerinfektion zu zeigen, dann liegen sie keuch im Gras. Den Rest des Buches verbringen sie damit, über wahre Liebe und Edwards steinharte Bauchmuskeln zu sprechen. Kalte, marmorgleiche, statueske Lippen zu küssen ist anscheinend sexy.
Später küsst Bella Edward so sehr, dass er fast „die Kontrolle verliert“, aber glücklicherweise, als der Mann in der Beziehung, ist es seine Pflicht, die arme kleine überaufgeregte Bella in ihre Schranken zu weisen, also sagt er ihr, sie solle aufhören ihn zu küssen.
Dreihundert Seiten nach „Oh, du magst mich auch? Auf keinen Fall, ich dachte, du hasst mich!„, kommt der Plot langsam in Fahrt und in einem verbeulten 2er Golf betrunken auf der Party an. Er fährt 50 Seiten später wieder weg und geradewegs gegen einen Baum, kommt ins Krankenhaus und wurde seitdem, die gesamte Serie durch, nicht wieder gesehen.

Diät

Mein Körper fühlt sich an wie eine Hüpfburg. Mein Verstand arbeitet nicht.
Ich bin die ganze Zeit wütend und sobald mich jemand aufheitern will, macht er es nur schlimmer. Alles macht es schlimmer.

Aber so ist das eben: Ich will abnehmen und das geht am besten durch Sofortigen, kalten Entzug.

Um Essen zu vergessen wollte ich mich mit Fernsehen ablenken. Mein ProSieben-Marathon dauerte 2 Stunden.
Lasst mich es so sagen und dann fortfahren: Wenn man nicht gerade Elvis ist und auf seinen eigenen Fernseher schießen kann, wenn man angepisst ist, hilft es ungemein, seinen nackten Arsch über den Bildschirm zu reiben, um den Hass zu kompensieren. Ja, sag‘ mir wie du daraus eine „frittierte XXL-Köstlichkeit“ machen willst, Jumbo Schreiner. Sag‘ es meinen Arschhaaren.

Um meine Kalorienzufuhr einzuschränken, habe ich mich auf Jelly Beans fokusiert. Kleine Mahlzeiten und als Süßigkeit zwischendrin eine Minigeleebohne für den winzigen Zuckerkick.

Es gibt 4 Geschmacksrichtungen, die braun sind: Schokoladenpudding, Cappucino, Könnte genauso gut verficktes Cappucino sein und Seelische Abtreibung. Ich könnte kiloweise der Puddingsorte kaufen und zu allen drei Mahlzeiten essen (was ich nicht tue). Aber ich kann nicht genug sagen, was für ein verstandsfickender, seelenzerstörender, vertrauensvernichtender Sinnesverstoß es ist, auf die Süßigkeit zu beißen und statt Pudding erwischt man eines der drei anderen. Das ist eine 75% Chance eine Jelly Belly mit menschlichem Scheißegeschmack zu erwischen.

Wahre Jelly Belly Fans werden mir jetzt sagen, dass es eindeutige Farbunterschiede gibt, in welchem Fall ich euch sage, dass ich versuche abzunehmen und eure verfluchten Autos hochbombe, wenn ihr nicht aufhört, solche gottverdammten Enttäuschungen zu sein.

Seht ihr? Ich werde aggressiv. Typisches Zeichen einer Diät. Ich setzte meine geliebten Kalorien ab und werde sofort zu einem tobenden Arschloch! „Ich sollte lieber mal ein Stück Butter essen, damit die Menschen um mich herum geschont werden.“ Netter Versuch, Kalorien.

Aber mein Verstand ist bereits durchbohrt vom Ärger. Zum Beispiel Ärger auf „Niveaulimbo“.
„Niveaulimbo“, sagt ihr? „Dieses gottverfluchte Wort exisitiert gar nicht, Nick. Wovon zum Teufel sprichst du?“

Gute Frage. Dieser Ausdruck soll das Jugendwort 2010 sein, wobei sich findige Journalisten ihre süßen kleinen Herzen ausgepresst haben, um eine „hippe“ Wortneuschöpfung ins mediale Hauptlicht zu rücken, aber endeten nur wie ein Haufen sabbernder Steineficker, welche verzweifelt versuchen, ihre Midlife crisis durch übertriebene Recherchen zu unterdrücken.

„Die Jugendlichen benutzen das Wort ‚Niveaulimbo‘ um…“

Nein. Nein, nein, nein, nein, nein, machen sie verfickt nochmal nicht. Niemand in der Geschichte der Menschheit hat jemals, jemals, das Wort Niveualimbo in irgend einem Kontext verwendet. Niemand, in der langen, steinigen Geschichte der Menschheit, hat in den verschiedensten Sprachen jemals die Buchstaben so in die Reihenfolge gebracht, um dieses Wort niederzuschreiben. Jemals.

Ihr habt euch das selbst ausgedacht, ihr Penner. Heilige Scheiße, wie lang ist meine letzte Kalorienaufnahme her? DREI STUNDEN?

Zum Glück konnte ich in diesem Moment nur meine Socke gegen den Fernseher werfen, welche mit einem leichten *fluff* wieder abprallte, bevor ich ein Trommelfeuer an Flüchen losließ. Zum Glück war mein Hund nicht in der Nähe. Nicht, weil ich ihn die Schimpfworte nicht hören lassen wollte, sondern weil die hohe Chance bestand, dass ich ihn gegen den Fernseher geworfen hätte.

Dann eben an die Playstation gesetzt und eine Runde Dragon Age Origins gespielt. Nachdem ich mich meisterlich durch alle Horden von Monstern ohne jegliche Verletzung meinerseits geschnetzelt hatte, fiel mich hinterrücks ein Oger an und verpasste mir eine Schelle, so dass ich erst einmal betäubt dastand. Das einzige, was mich davon abhielt, meinen in meiner eigenen Scheiße gehüllten Fernseher aus dem ersten Stock in den Hinterhof zu werfen war der Fakt, dass da unten bereits der Hausmeister stand und die Überreste meines letzten, mit Scheiße überzogenenen TVs wegräumte.

Ich musste raus aus der Wohnung. Etwas frische Luft schnappen. Während ich in der S-Bahn saß, nahm ich den Geruch von Frittierfett wahr und mein ganzer Körper verkrampfte in einem Anfall. Ich realisierte, dass ganz am Ende des Waggons ein Typ eine Currywurst aß. Der Duft von verbrannter Wurstpelle, Tomaten und Billigcurry schoß in meine Nase und mein vom Entzug zerstörtes Gehirn scheißte sich beinahe ein.

Ich stand also im Kaufland und wartete, dass die Person vor mir bezahlte und aus meinem beschissenen Weg verschwand. Der Kassierer war so ein trotteliger Typ, der anscheinend gerade noch in der Ausbildung war und mit jedem Small Talk hielt, der gerade vorbei lief. Allerdings war er unglaublich schlimm darin. Einer dieser Jungen, der vermutlich mit Steinen beworfen wird. Von seinen Eltern.

Als er eine Glasflasche über den Scanner zog, schaute er hoch, lächelte und sagte: „Oh, Joghurt Dressing. Das ist meine Lieblingssorte!“
Die Frau, die anscheinend auf dem gleichen sozialen Trottellevel war wie er, antwortete: „Ich weiß! Das schmeckt fantastisch.“
Zu diesem Zeitpunkt stapelte ich meinen Kram auf das Band und er schaute rüber zu dem Salat und den Gurken, die ich gerade hinlegte. Er hatte wohl mein Augenrollen nicht gesehen, denn er sagte: „Hey, Salatzutaten! Ihr zwei solltet euch zusammen tun und-“

„Bitte. Bitte, bitte, bitte, zieh die Scheiße einfach nur über den Scanner. Ich weiß, dass du nett sein willst, aber ich mache derzeit eine Diät und will den Rotz einfach nur nach Hause bekommen. Es gibt absolut nichts Interessantes in irgendetwas Salatartigem. Bitte. Dein Mund formt viele Worte über Salat aber alles was ich höre ist ‚Ich missbrauche meine Rechte als Kassierer um sicher zu gehen, dass du diese Schlange nicht eher verlässt, bevor du mich buchstäblich umbringst. Mach ruhig. Nimm diese Schere hier neben der Kasse und beende mein Leben, Nick. Ich bettele darum.'“

Das Ende von Tag Eins. Ich versuche zu schlafen, aber der Hunger hält mich wach.
Es wird Zeit, allen ein großes Fick Dich zu geben, die hierdran beteiligt waren:

Die Menschheitsgeschichte, die entdeckte, dass Zucker lecker ist.

Die Süßigkeitenmanufakteure, die diese Leckereien günstiger verkaufen als ein Kilo Gemüse.

Meine Eltern, da sie immer sagten, ich hätte nicht ihre Gene.

Meine (Ex)Freunde, die sagten, die inneren Werte zählen mehr als das Aussehen.

Das Fernsehen, weil es nur noch Dinge über Essen bringt.

Das Arschloch, dass sich McDonalds Gutscheine ausgedacht hat.

Das Erkennen, dass Frittiertes besser schmeckt als unfrittiertes.

Aber das größte Fick Dich bleibt für mich selbst übrig. Mein junges, dummes Ich, dass fröhlich herumsprang und eine Zeit lang alles sinnlos in sich hineinstopfte, ohne Gedanken an die Zukunft. Und die älteren Versionen von mir, die ständig Ausreden fanden, keinen Sport zu machen oder weniger zu essen.
Wenn ich traurig war, aß ich. Wenn ich mich allein fühlte, aß ich. Wenn ich gelangweilt war, aß ich. Es gab Wochenenden, da sah ich meine Wohnung nur von innen. 60h lang.

Inzwischen ist mein Magen so sehr vergrößert, dass mich kleine, normale Portionen bei weitem nicht sättigen und ich eine Diät nur unter ständigem Hunger hinter mich bringen kann. Um mich herum sehe ich Menschen essen und verstehe diese Ungerechtigkeit nicht.

Aber das ist er eben, der größte Feind in diesem Spiel.
Die innere Willenskraft, 85kg auf 1,70m verteilt auf 60kg zu dezimieren.

Und bis dahin werde ich alle Maßnahmen versuchen, mein Gehirn und meinen Hunger zu verarschen.

Das ist richtig, Leute: Ich bringe einen Dildo zu einem Messerkampf.

Steaks

Ich werde das nicht leugnen, gefüllte Steaks sind schwierig. Es ist kompliziert sie zusammen zu halten, man kommt nur schwer mit ihnen klar und man sollte es wirklich nur versuchen, wenn man komplett davon überzeugt ist, dass man emotional reif genug ist, mit etwas so komplexem und zerbrechlichem fertig zu werden.

1.) Nimm ein Rippensteak und klopfe es mit einem Fleischhammer so lang, bis es etwa einen halben Zentimeter dick ist. Warte einen Moment. Das ist die frühe Phase deiner Mahlzeitzubereitung, das ist der erste Schritt, wo kochen noch so einfach ist wie „Dinge mit einem Hammer verhauen“. Nichts kompliziertes, nur bedenkenloser Spaß. Das ist spannend, was? Genieße diesen Schritt.

2.) Bestreue das Fleisch mit Salz und Pfeffer. Das hättest du, theoretisch auch vor dem Klopfen des Fleisches machen können, aber so geht es auch.

3.) Glaub mir, das ist wirklich egal, ich bin darüber hinweg. Das ist eben nur eine Art der Fleischvorbereitung. Einige Menschen machen es so, du musst es nicht tun; wir müssen darüber nicht streiten.

4.) Bestreue eine Seite des Fleisches mit Knoblauch und geriebenem Parmesan.

5.) Platziere sonnengetrocknete Tomaten- Oh, richtig, du hättest die Tomaten vorher in warmem Wasser einweichen sollen; noch bevor du das Steak vorbereitest. Du warst zu abgelenkt durch die ganze Salz und Pfeffer Geschichte, also hast du das Fleisch vernachlässigt. Ich denke, du kannst sie trotzdem darauf legen, aber es wird nicht mehr so zart; die Tomaten sind hart und schwer zu kauen. Aber gut, verteile die Tomaten auf dem Käse.

6.) Ich meine ja nur, dass sie vermutlich hart sind und schwer zu kauen, das ist alles.

7.) Wasche den Spinat und lege eine Schicht oben auf die total zähen sonnengetrockneten Tomaten.

8.) Rolle das Steak mit der kompletten Füllung länglich zusammen.

9.) Nein, länglich. Länglich, du machst es falsch. Ja, beide Seiten sind lang, aber so ist es richtig. Ich weiß nicht, warum man es „länglich“ nennt, aber so ist es eben, und jeder weiß es; das ist Allgemeinwissen.

10.) Nein, ich denke nicht, dass du dumm bist. Ja, es ist nicht Allgemeinwissen wenn du es nicht wusstest. Es ist anscheinend nicht so allgemein, du hast recht. Du hast immer recht.

11.) Wenn das Steak erst einmal eng zusammengerollt wurde, stecke acht Zahnstocher mit genügend Abstand hindurch.

12.) Du rollst das nicht-

13.) Du rollst-

14.) Du rollst das nicht richtig. Der Käse quillt an den Seiten heraus. Sieh doch mal. Sieh dir an was du machst, du verlierst den ganzen Käse… Nein, natürlich nicht den „ganzen“ Käse, aber es ist eindeutig eine große Menge davon. Du weißt, was ich meine.

15.) Du kannst versuchen, den Käse wieder zurück zu stopfen, aber es wird nicht mehr gut aussehen. Ich sehe gerade, du drückst den Käse mit deinen Händen wieder hinein, aber so versuchst du nur ihn wieder zwischen die Füllungen zu bekommen und verursachst damit mehr Schaden als Gutes. Ich meine, wenn du von der einen Seite drückst, läuft es an der anderen Seite wieder heraus. Ich bin kein Chefkoch, aber ich kann da deutlich Käse heraus quillen sehen. Schrei micht nicht an, ich zeige dir nur, dass…. ich zeige dir nur eine objektive Beobachtung auf; der verkackte Käse quillt heraus.

16.) Es tut mir leid. Wir versuchen das hier zusammen zu halten, denn ich weiß, wenn wir es dann erst einmal in den Ofen geben, wird es fantastisch. Lass es uns einfach nur in den Ofen schieben, Gott, bitte, lass es uns in den Ofen schieben. Ähm, ich denke du kannst jetzt die Zahnstocher heraus ziehen und den Käse wieder hinein geben, aber das ist jetzt gar nicht so viel Käse; und sei vorsichtig, wenn du die Zahnstocher herausziehst, damit nicht alles herausfällt. Vorsichtig…

17.) Vooooorsichtig.

18.) Vooooor- ach gottverdammt. Genau wie ich es sagte. Genau wie ich es sagte. Hättest du über den Käse hinweggesehen, wäre alles fein, aber du kannst nie loslassen, oder? Oder?! Ich weiß nicht, warum wir das hier überhaupt noch machen.

19.) …

20.) Schau, manchmal ist es für das Essen das Beste, wenn man groß genug ist sich einzugestehen „Das wird nicht funktionieren“. Einige Menschen sind dafür gemacht, gefüllte Steaks zuzubereiten, andere Menschen eben nicht; das ist keine Schande. Du hattest eine tolle Zeit beim Kochen. Hey, eine großartige Zeit. Du hast ein paar tolle Erinnerungen: den Käse verteilen, den Spinat waschen, das Fleisch aufrollen. Du hast gelernt wie man sonnengetrocknete Tomaten richtig zubereitet. Du kannst all diese Erlebnisse mitnehmen und sie auf zukünftige Mahlzeiten anwenden. Manchmal muss man sich nur eingestehen können, wenn man überfordert ist.

21.) Es gibt andere Mahlzeiten.